GRÄFE GMBH & Co. KG Treppen + Handlauf Manufaktur
18.06.2026



GEILER SCH... – Was ihr da macht?!

Diesen Satz werde ich wohl so schnell nicht vergessen.

Eine gute Freundin von mir hat sich vor kurzem unser aktuelles Treppenprojekt angesehen. Die gewaltigen Dimensionen. Die komplexen Frästeile. Die gebogenen Wangen. Die riesigen Massivholzkrümmlinge. Die Fertigung auf unserem 5-Achs-Bearbeitungszentrum. Und nicht zuletzt meine täglichen Kämpfe mit unserem neuen CAD/CAM-System TopSolid.
Ihre spontane Reaktion? „Geiler Scheiß, was ihr da macht!" Ich musste lachen. Aber je länger ich darüber nachgedacht habe, desto mehr wurde mir klar: Genau darum geht es eigentlich.

Aktuell arbeiten wir an einer ganz besonderen Treppe für ein historisches Gebäude in Berlin. Dort entsteht im Dachgeschoss eine aufwendig ausgebaute Penthouse-Wohnung. Unsere Treppe bildet künftig die vierte Treppe des Hauses und ergänzt die drei historischen Treppenanlagen der darunterliegenden Geschosse. Die Herausforderung beginnt bereits bei den Dimensionen. Die äußeren Wangen bestehen aus formverleimten Bogenteilen. Auf der Innenseite kommen gewaltige massive Krümmlinge zum Einsatz, wie man sie heute nur noch selten sieht. Die Gestaltung orientiert sich an den historischen Vorbildern des Hauses. Stufenprofile, Handlaufprofilierungen und die gesamte Erscheinung sollen sich harmonisch in das bestehende Treppenhaus einfügen, ohne ihre eigene Identität zu verlieren.

Fertigung eines eng bogenförmig steigenden Profilhandlaufes     Bildquelle: GRÄFE
Fertigung eines eng bogenförmig steigenden Profilhandlaufes     Bildquelle: GRÄFE

Was auf den ersten Blick nach klassischem Handwerk aussieht, wird hinter den Kulissen zu einer hochkomplexen Verbindung aus Tradition und moderner Fertigung. Und genau dort wurde es für mich in den vergangenen Wochen richtig spannend. Oder besser gesagt: richtig anstrengend. Mit unserem neuen TopSolid-System arbeite ich mich aktuell tief in die Möglichkeiten der Konstruktion und CAM-Programmierung ein. Man könnte sich dafür natürlich einfache Übungsstücke suchen. Aber so funktioniert unser Alltag nicht. Bei uns stehen die echten Projekte auf dem Tisch. Die anspruchsvollen Projekte. Die Projekte, bei denen ein ganzes Team darauf wartet, dass die Daten fertig werden, damit die Fertigung weiterlaufen kann. Also habe ich mich reingekniet...

exakte Konturierung eins formverleimten Wandwanges auf dem Bearbeitungszentrum      Bildquelle: GRÄFE
exakte Konturierung eins formverleimten Wandwanges auf dem Bearbeitungszentrum      Bildquelle: GRÄFE

Ich habe mehr Stunden in der Werkstatt und an der Maschine verbracht als im Büro. Manche Abende wurden länger als geplant. Manche Nächte kürzer als gewünscht. Und so mancher frühe Morgen begann bereits mit der Suche nach der nächsten Lösung. Ehrlich gesagt war ich zeitweise ziemlich nah an meiner Belastungsgrenze. Nicht weil das Projekt zu groß wäre. Sondern weil man in einer kleinen Manufaktur eben nicht alles gleichzeitig machen kann. Kunden betreuen. Projekte verkaufen. Mitarbeiter führen. Konstruktionen erstellen. Fertigungsprobleme lösen. Neue Software lernen. CAM-Programme entwickeln. Maschinen einrichten.

Irgendwann reicht ein Arbeitstag einfach nicht mehr aus. Doch genau dann zeigt sich, was Handwerk eigentlich ausmacht. Schritt für Schritt. Problem für Problem. Lösung für Lösung. Die massiven Krümmlinge verlangten beispielsweise eine aufwendige Zweiseitenbearbeitung. Zusätzlich mussten auf der Innenseite Aussparungen für statisch notwendige Blechverbinder integriert werden, die später vollständig unsichtbar bleiben.
Die Profilhandläufe stellten uns vor eine ganz andere Aufgabe. Das Griffprofil musste entlang einer stark steigenden Bogengeometrie sauber eingearbeitet werden. Besonders auf der Innenseite wurde das schnell knifflig. Hier waren Improvisation, Erfahrung und handwerkliches Gespür gefragt – genau wie es unsere Vorfahren schon bei ähnlichen Herausforderungen gehandhabt haben, wenn Handlaufprofile über schwierige Strecken geführt werden mussten.

vom Massivholzblock zum Krümmlingswange   Bildquelle: GRÄFE
vom Massivholzblock zum Krümmlingswange   Bildquelle: GRÄFE

Besonders stolz bin ich jedoch auf die Lösung der langen äußeren Bogenwangen. Diese wurden zunächst formverleimt und anschließend auf unserem Bearbeitungszentrum konturiert. Was früher viele Stunden Handarbeit bedeutet hätte, konnte dadurch wesentlich präziser und deutlich effizienter umgesetzt werden. Von der ersten Idee bis zur fertigen Bearbeitung spielte TopSolid dabei eine entscheidende Rolle. Zum ersten Mal konnte ich die komplette Aufspannung der Wangen bereits während der Konstruktion exakt planen und anschließend gemeinsam mit dem Bauteil in der Maschinenumgebung simulieren. Das digitale Abbild der späteren Fertigungssituation gibt uns eine Sicherheit, die im traditionellen Treppenbau von unschätzbarem Wert ist. Genau darin liegt für mich die Zukunft unseres Handwerks. Nicht im Ersetzen von Handarbeit. Sondern im intelligenten Zusammenspiel von Erfahrung, Kreativität, moderner Technologie und handwerklichem Können.

Inzwischen sind alle Bauteile an unser Team zur Weiterbearbeitung übergeben. Und ehrlich gesagt fällt mir damit ein großer Stein vom Herzen. Die vergangenen Wochen haben Kraft gekostet.
Sie haben Nerven gekostet. Sie haben Schlaf gekostet. Aber sie haben auch gezeigt, was möglich wird, wenn man bereit ist, Neues zu lernen, Verantwortung zu übernehmen und nicht aufzugeben, wenn es kompliziert wird.
Denn genau dort entstehen die spannendsten Lösungen. Und vielleicht hatte meine Freundin ja doch recht. Wenn ich heute auf diese riesigen Bogenwangen, die massiven Krümmlinge, die komplexen Fräsprogramme und das Zusammenspiel von traditionellem Handwerk und modernster Fertigungstechnik schaue, denke ich mir: Geiler Sch... was wir da machen dürfen!

zum Abschluss....
Vielen Dank, dass du meinen Beitrag gelesen hast. Lass uns gern kennenlernen. Ich unterstütze dich gern bei deinem eigenen Treppen-, Geländer- oder Handlaufprojekt mit den vielfältigsten Möglichkeiten unserer eigenen Fertigung in Holz, Glas und Stahl.

ein Bericht aus dem Projektblog von Danny Gräfe - weitere Infos: www.graefe.eu

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