GRÄFE GMBH & Co. KG Treppen + Handlauf Manufaktur
27.08.2026



SAUBERE SACHE  18 Treppen – ein Problem
Was haben Treppen, Wischwasser und eine Fassadenplatte miteinander zu tun? Eigentlich nichts – bis wir genau daraus eine ziemlich clevere Lösung gebaut haben.
 
Heute möchte ich euch wieder ein ganz besonderes Projekt vorstellen. Diesmal geht es weder um eine Treppe noch um ein Geländer – und trotzdem dreht sich alles um die Treppe. Genauer gesagt um die Treppenhäuser der HOGA-Schule in Dresden.
Hier ging es um ein Problem, das auf den ersten Blick vielleicht unscheinbar wirkt. Welches sich im täglichen Betrieb aber als ziemlich lästig heraus stellte. Und genau solche Aufgaben finde ich spannend: Wenn eine praktische Anforderung nach einer besonderen Lösung verlangt.

Die Vision
Die Innenarchitektin Heike Enke, die im Rahmen der anstehenden Renovierungsarbeiten frisches Design in die Schule bringen soll, kam bei diesem Projekt auf mich zu und bat um Unterstützung bei den Treppen. Der typische DDR-Schulbau hat zweifellos seinen ganz eigenen Charme. Bei den Treppenhäusern der HOGA-Schule hatte dieser Charme allerdings seine Grenzen. 
Die freiliegenden Stufen- und Brüstungskanten mit ihren zahlreichen Absätzen sahen nicht besonders schön aus. Viel problematischer war aber die tägliche Reinigung: Beim intensiven Wischen lief das Wasser an den offenen Kanten seitlich herunter und hinterließ Spuren an den Treppenstirnseiten und den angrenzenden Brüstungswänden. 
Mit jeder Reinigung wurde das Erscheinungsbild dadurch ein Stück unansehnlicher. Und das gleich in sechs Treppenhäusern mit jeweils drei Treppen. Die Grundidee von Frau Enke war deshalb schnell geboren: Diese offenen Kanten müssen verschwinden. Die spannende Frage lautete nur: Wie – und womit?

Die Herausforderung
Bei einem gemeinsamen Vor-Ort-Termin war schnell klar, dass Wangen- und Brüstungsblenden die richtige Lösung sein könnten. Sie beruhigen die Optik deutlich und gleichzeitig lösen sie das grundlegende Problem mit dem Reinigungswasser.
Somit begann die eigentliche Herausforderung. Die Arbeiten konnten ausschließlich während der Schulferien durchgeführt werden – also außerhalb des laufenden Schulbetriebs und gleichzeitig im Zusammenspiel mit zahlreichen weiteren Renovierungsgewerken.
Das bedeutete ein perfektes Zusammenspiel von punktgenauer Vorbereitung, exakten Timing und einer möglichst kurze Montagezeit vor Ort. Dazu kam eine weitere wichtige Anforderung: Das Material musste für die Gebäudesituation geeignet, feuchteresistent und schwer entflammbar sein. Damit schieden klassische Holzlösungen aus. Auch Holzverbundplatten waren aufgrund der notwendigen Feuchteresistenz keine wirkliche Option.
Also: Welches Material nehmen?
Metall wäre grundsätzlich möglich gewesen. Allerdings wäre die Umsetzung mit der erforderlichen Formgebung, Beschichtung, Logistik und Montage ziemlich aufwendig geworden. Brandschutzplatten wiederum hätten zwar die Anforderungen an die Entflammbarkeit erfüllt, waren uns für die mechanisch beanspruchten Kanten der Treppen und Brüstungen jedoch nicht robust genug.
Die freiliegenden Stufenköpfe links im Bild werden zu einer moderne Blendenlösung   Bildquelle: GRÄFE
Die freiliegenden Stufenköpfe links im Bild werden zu einer moderne Blendenlösung   Bildquelle: GRÄFE
Die Details
Mir kam spontan eine Alternative aus dem Treppenbau in den Sinn: HPL-Platten. Wir kennen das Material unter anderem aus dem Bereich der Stahlwangen. HPL ist fest, robust, gut bearbeitbar und in einer großen Farbvielfalt erhältlich. Der erste Blick auf die technischen Eigenschaften ließ allerdings noch Zweifel zu. Der entscheidende Wendepunkt kam mit der Erkenntnis, dass HPL auch im Fassadenbereich eingesetzt wird.
Genau diese speziell für den Außenbereich konditionierten Platten bringen die Eigenschaften mit, die wir hier benötigen: hohe Wetterbeständigkeit, Robustheit, eine große Farbauswahl und gleichzeitig die notwendige Schwerentflammbarkeit.
Volltreffer. Das Material war gefunden. Der Auftrag war Formsache und die Umsetzung der insgesamt 18 Treppen konnte beginnen – jeweils während der Ferien.
Jetzt war Präzision gefragt: 
Wir haben jede einzelne Treppe mit unserem Flexijet3D aufgemessen und daraus die individuellen Blenden konstruiert. Denn bei 18 Treppen kann man sich nicht darauf verlassen, dass eine einfach wie die andere ist. Anschließend wurden die einzelnen Bauteile mit Diamantfräsern aus den großformatigen Platten herausgetrennt und anschließend auf der CNC Maschine noch einmal exakt konturiert.
Das Ergebnis kommt nahezu montagefertig aus der Maschine: Noch die Kanten brechen, die bereits angebohrten Befestigungsbohrungen durchbohren – fertig. Gerade bei einem Projekt mit einem so engen Montagezeitfenster ist diese konsequente Vorfertigung entscheidend.
Die unsaubere Brüstungskante mit Absatz wandelt sich in eine ansprechende Blendenoptik      Bildquelle: GRÄFE
Die unsaubere Brüstungskante wandelt sich in eine ansprechende Blendenoptik      Bildquelle: GRÄFE

Angenehmer Nebeneffekt
Sobald die letzte Schulglocke vor den Ferien verstummt war, konnten wir mit der Montage beginnen. Und genau hier hat sich unsere akribische Arbeitsvorbereitung ausgezahlt. Durch die komplett vorgefertigten Bauteile konnten wir die Montagezeit vor Ort enorm verkürzen. Richtungswechsel, Übergänge und Schraubverbindungen waren bereits in der Manufaktur vorbereitet.
Ein weiterer Punkt der mindestens genauso wichtig war: die Abdichtung. Denn die Blenden sollten nicht nur gut aussehen. Sie müssen tatsächlich verhindern, dass das Wischwasser wieder hinter die Konstruktion läuft.
Pro Treppenhaus kamen dabei rund 60 Meter Dichtfugen zusammen. Das ist definitiv keine reine Finish-Arbeit, sondern ein funktionaler Bestandteil der gesamten Lösung. Für diese Aufgabe haben wir auf die professionelle Unterstützung der Fugentechnik Dresden gesetzt. Treppenhaus für Treppenhaus wurde die Abdichtung termingerecht umgesetzt. Es lief genau so, wie es der enge Ferienzeitplan erforderte.

Die HPL Verblendung: Praktisch & modern in der Nutzung, effektiv in Fertigung & Montage -    Bildquelle: GRÄFE
Die HPL Verblendung: Praktisch & modern in der Nutzung, effektiv in der Herstellung  Bildquelle: GRÄFE

Fazit
Nach den Sommerferien sind inzwischen vier der sechs Treppenhäuser optisch und technisch auf Vordermann gebracht.
Die letzten beiden Treppenhäuser sind bereits aufgemessen, befinden sich in Vorbereitung für die CNC Maschine und werden in den Herbstferien montiert - wir werden damit das Ziel der Fertigstellung bis zu den Sommerferien 2027 mit unserem Renovierungsaufgaben bereits im Herbst 2026 erreichen und ermöglichen den anderen Gewerken wie Bodenleger und Maler damit Baufreiheit für ein effektiveres Arbeiten in den Treppenhäusern von der letzten Schulglocke vor den Ferien an...
Wir sind stolz darauf, dass wir gemeinsam mit Frau Enke nach einigen Überlegungen eine Lösung entwickeln und realisieren konnten, die gleich mehrere Anforderungen miteinander verbindet:
Sie sieht besser aus. Sie ist robust. Sie schützt die angrenzenden Bereiche vor Wischwasser. Sie erfüllt die Anforderungen an das Material. Und sie lässt sich rationell fertigen und montieren.
Genau solche Projekte machen für mich den Reiz unseres Handwerks aus. Denn manchmal geht es eben nicht darum, die nächste spektakuläre Treppe oder das außergewöhnliche Geländer zu bauen. Manchmal geht es darum, ein Problem genau anzuschauen, um die Ecke zu denken und aus verschiedenen Möglichkeiten die richtige Lösung zu entwickeln.
Gemeinsam mit dem Farbkonzept von Frau Enke wird hier Treppenhaus für Treppenhaus ein Stück neue Zeit in die alten Gemäuer gebracht. Und wenn dabei aus einem typischen DDR-Schulbau Schritt für Schritt eine modernere Schule entsteht, die ihren ursprünglichen Charakter trotzdem nicht verliert, dann ist das eine richtig schöner Abschluss. Und wir freuen uns, mit unserer Arbeit einen kleinen Teil dazu beitragen zu dürfen.
Saubere Sache eben.



Zum Abschluss
Du hast selbst eine außergewöhnliche Idee für eine Treppe, einen Handlauf oder ein Geländer? Dann sprich uns an. Ob klassische Handwerkskunst, komplexe 3D-Form oder eine individuelle Lösung, die zunächst vielleicht unmöglich erscheint – wir entwickeln gemeinsam mit dir den passenden Weg von der Idee über CAD und CAM bis zum fertigen Bauteil.

Vielen Dank, dass du meinen Beitrag gelesen hast. Lass uns gern kennenlernen. Ich unterstütze dich gern bei deinem eigenen Treppen-, Geländer- oder Handlaufprojekt mit den vielfältigsten Möglichkeiten unserer eigenen Fertigung in Holz, Glas und Stahl.

ein Bericht aus dem Projektblog von Danny Gräfe - weitere Infos: www.graefe.eu

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